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24. März 2010 um 19:43 Uhr

Siegburg: Stimmen und die ECE-Center Diskussion

Es ist interessant, worüber man im großen WWW so alles stolpern kann. Klar, sonst würden wir wohl kaum soviel Zeit damit bzw. “darin” zubringen ;-)

Vorhin bin ich über den Eintrag “FOTOBLOG KÖLN #7 Gentleman, Siegburg, Zur Rose und LOST IN TRANSLATION 2″ im Blog des Comiczeichner Miguel E. Riveros gestolpert, in dem der Autor seinen Eindruck von meiner Heimatstadt so beschreibt:

“In Siegburg haben wir uns ein wenig umgesehen. Diese Stadt ist echt hübsch. Der Bahnhof und die angrenzende Innenstadt ist wirklich schön und man fühlt sich wie in einem Ferienort. EDU meinte, alles wirkt wie eine Filmkulisse. Ich habe dort den Dönerladen neben dem Bahnhof ausprobiert und der ist wirklich stylisch. Da läuft sogar Musikfernsehen. Die Döner und Pizzas sind da echt lecker. Direkt am Bahnhof gibt es ein großes Kino und zahlreiche nette Restaurants. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.”

Interessant, mal so eine “Meinung von Außen” zu lesen. :-)

Bei dem Thema “Außenwahrnehmung” kommt man recht schnell auf die aktuelle Diskussion um die Umgestaltung die Siegburger Innenstadt. Veränderungen sind notwendig, um Siegburg als Stadt, insbesondere auch als Einkaufsstadt, wieder Attraktiv zu machen. Siegburg ist ins Hintertreffen geraten und daran soll sich wieder etwas ändern.

Ein durch die Stadtregierung derzeit stark forcierter Ansatz ist es, zusammen mit der ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG im Herzen von Siegburg (auf dem “Allianz-Parkplatz” oberhalb des Rathauses und dem Platz, an dem das Rathaus derzeit steht) ein Einkaufszentrum zu errichten, in dem sich aktuell gefragte Handelsketten ansiedeln können.

Nachdem die Pläne immer mehr Formen annehmen und konkreter werden, erheben sich auch mehr kritische Stimmen, wie zum Beispiel Monika Wagner im Interview “Das funktioniert nur als Ergänzung” mit dem KStA oder der Verkehrsverein Siegburg e.V. im Beitrag “Die Siegburger müssen entscheiden, was richtig ist” auf seiner Plattform mysiegburg.de

Aus meiner Sicht sind dabei vor allem die Punkte wichtig, dass Siegburg dringend weiter entwickelt werden muss und dass es dafür umfassende Konzepte und Lösungen geben muss. Das ECE Center isoliert zu betrachten und voranzubringen ist mit Sicherheit nicht das richtige. Das Center kann aber vielleicht Teil eines Gesamtkonzeptes sein.

An einer Stelle wurde aufgeworfen, das die politische Macht, die ein Betreiber wie ECE mit einer Immobilie der geplanten Größe einnimmt nicht unerheblich ist. Und es wird in den Raum gestellt, dass die ECE angeblich Politiker “eingarnt”.
Beides sind Aspekte, die man ebenfalls nicht aus den Augen verlieren darf.
Der zweite Punkte bekommt gerade mit den Vorwürfen zur Käuflichkeit der CDU in verschiedenen Landesregierungen ein “Geschmäckle”. An den Unregelmäßigkeiten Rund um den Bau der Herzklinik in Siegburg und dafür “zweckentfremdete” Gelder war der amtierende Bürgermeister Franz Huhn, wenn ich mich recht an die damalige Berichterstattung erinnere, auch nicht unbeteiligt. “Potenzial” in diese Richtung scheint also durchaus vorhanden zu sein. Also wachsam bleiben ;)

Auf der Anderen Seite drooht nach Darstellung der Befürworter des Zentrums (und für mich gut nachvollziehbar) die Gefahr, die ECE könnte mit dem geplanten Zentrum nicht vielleicht auch in benachbarten Gemeinden ansässig werden bzw. die Konkurrenz der Gemeinden durch andere Projekte stark zunehmen könnte und damit der Standort Siegburg deutlich geschwächt würde.

Insgesamt recht Informativ ist die Rubrik “Zukunft der Einkaufsstadt Siegburg” auf siegburg.de, wobei man hier natürlich auch nicht vergessen soll, das die Seite von der Stadtregierung erstellt wird – Quellenkritik schadet nie ;-)
Dort findet man zwar auch Ansäzte zu einem “Einzelhandels- und Zentrenkonzept”, indem ich zwar einiges interessantes gefunden hab, aber kein klares Konzept erkennen konnte.
Ein weiteren Schritt in die Richtung kann man aber vielleicht im Foliensatz “Anforderungsprofil Stadtgalerie” erkennen, in der sich auch die Aussage “Das Rathaus könnte entweder in die Galerie einbezogen oder an einem anderen Standort angesiedelt werden” findet. Aus welchem Topf wird das eigentlich bezahlt? ;-)

Im wesentlichen stehen die Kritiker und Befürworter sich also in wenigen Punkten gegenüber:

Die Kritiker befürchten

  • Verlust der Vielfalt im Einzelhandel durch zu strake Konkurrenz des “ECE Centers”
  • Verfall der Mietpreise in der Siegburger Innenstadt

wogegen die der Befürworter antworten:

  • Steigerung der Attraktivität und dadurch Gewinnung von mehr Besuchern und Kunden (der Umsatz-”Kuchen” wird größer, so dass sowohl die Mieter im ECE Center und auch der bisherige Einzelhandel in der Innenstadt davon profitieren)
  • Durch den vorherigen Punkt bleiben auch die Mietpreise mindestens stabil
  • Dringende und notwendige Weiterentwicklung der Innenstadt

Ich bin gespannt, ob wir bald ein großes Einkaufszentrum in Siegburg haben. Wenn der Center (aka “Stadtgalerie”) wirklich individuell auf Siegburg und die lokalen Begebenheiten abgestimmt wird, kann bestimmt “was Gutes” entstehen.

Aber es darf die umliegende Innenstadt nicht ins Hintertreffen geraten. Ein Negativbeispiel kann man meiner Meinung nach in die direkten Nachbarschaft vorfinden. In St. Augustin ist der HUMA Einkaufspark praktisch gleich dem Stadtzentrum. Und schön ist das nicht.


Ein übermütiger Blick “übern Tellerrand” zum Schluss:
Der Königsbau in Stuttgart wurde zum Beispiel in ein innerstädtisches Einkaufszentrum umgebaut. Klar ist Stuttgart zehn mal so gross wie Siegburg, aber dafür sind in dem dortigen Center auch keine Mode-Ketten sondern Nobel-Geschäfte (z.B. für hochpreisige Badeinrichtung oder eine Kustgalerie) angesiedelt. (Ein Bild vom Innenraum.)

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8 Reaktionen zu “Siegburg: Stimmen und die ECE-Center Diskussion”

  1. Gravatar Icon Ischas

    Du willst ja jetzt nicht etwa Siegburg und St. Augustin vergleichen? Siegburg ist bald 1000 Jahre alt, St. Augustin gerade mal 40. Da gibt es keine Innenstadt, weil es eine Zusammenfassung der ganzen Dörfer zwischen SU und BN ist!
    Dass die ECE vernünftige Ideen hat, zeigt z.B. das Projekt in Braunschweig: http://www.schloss-arkaden.de/
    Bin aber selber gespannt und habe noch nicht so die Meinung, ob das alles in SU so sinnvoll ist. Aber wenn man so durch Troisdorf geht, dann sieht man, was für einen Druck die Innenstädte heutzutage haben. Und ein neues Rathaus täte Siegburg auch gut. Muss ja nicht im Zentrum sein, da reicht ja eigentlich ein Bürgerservice.

  2. Gravatar Icon Siegburg - Blog - 24 Mar 2010

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  3. Gravatar Icon Markus

    Hehe, nein, bestimmt nicht vergleichen, ich wollte nur auf ein Negativbeispiel “Einkaufs-Center ist Innenstadt” hinweisen :-)
    Stimmt, der Druck, der auf den Innenstäden lastet, zeigt sich auch in Troisdorf…

  4. Gravatar Icon Robin

    Ich sehe nicht die Notwendigkeit für ein “ECE”. Siegburg besitzt bereits jetzt eine für seine Einwohnerzahl beachtliche Zentralität. Bestehende Probleme, wie z.B. die Zusammensetzung und Entwicklung der Einzelhandelsbelegung in der Innenstadt (Stichwort 1€-Läden) müssen mit Sicherheit diskutiert und angepackt werden, wenn die in der Vergangenheit erlangte Position als beliebte Einkaufsstadt für das Umland behalten werden will.
    Dazu ist meiner Meinung nach ein Einkaufszentrum der genau falsche Schritt. Es gilt, die Attraktivät der Innenstadt neu zu steigern und die Qualität von Neuansiedlungen des Einzelhandels zu erhöhen. Das Argmument, ein ECE ziehe neue Kunden an, hat für mich wenig Durchsetzungskraft. Wo sollen diese Kunden herkommen? Siegburg hat bereits einen ausgedehnten Einzugskreis, viel mehr ist da nicht mehr zu holen. Ein Einkaufszentrum führt letztendlich zu einer weiteren Entwertung der bestehenden Einkaufs-Innenstadt und das kann nicht das Ziel sein. Zumindest nicht, wenn bei den Verantwortlichen im Sinne der Stadt gedacht wird…

  5. Gravatar Icon Nils

    Zu bedenken gilt auch, dass in Augustin das schon angesprochene HUMA Einkaufscenter komplett neu bauen will. http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10001&detailid=599991

    Hierauf muss Siegburg auf jeden Fall reagieren. In welcher Form dies geschehen muss vermag ich nicht zu sagen, aber so ein “Centro” zieht schon viele Leute und diese kommen dann eben nicht mehr nach Siegburg.

  6. Gravatar Icon Don

    Hallo,

    Ich frage mich ob die Befürworter (d.h. z.B. die Autoren des Artikels “Warum Siegburg ein Einkaufscenter braucht”, vor einigen Tagen im Extrablatt) in der letzten Zeit mal in die Stadt gegangen sind. Die war nämlich stets sehr voll und es machte auf mich nicht den Anschein, als wollter diese potentiellen Kunden bald alle nach St. Augustin “auswandern”. Betrachte ich mein eigenes Kaufverhalten, sehe ich keine Veranlassung für ein solches Zentrum.

    Abgesehen von den Kosten (Wohin mit den Beamten aus dem Rathaus? Richig, in Mietbüros, finanziert vom Steuertopf) wäre Siegburgs Innenstadt jahrelang eine Baustelle.
    Da lebe ich doch lieber mit dem alten Rathaus, was zwar sicherlich keine architektonische Augenweide ist, aber für mich, der ich seit 20 Jahren Siegburger bin, doch irgendwie zu Siegburg dazugehört.

  7. Gravatar Icon Markus

    Hm, bei dem Argument, dass ein Auslagern der Büros im Rathaus teuer wird und es eine Großbaustelle im Herzen von SIegburg geben würde, sollte man sich aber auch vor augen führen, das das Rathause sowieso stark sanierungsbedürftig ist. Das Rathaus müsste angeblich erst in einen “Rohbauzustand” zurückgeführt werden, wie z.b. hier:

    http://www.unserort.de/Siegburg/nachrichten/F%C3%BCr+eine+Sanierung+m%C3%BCsste+das+Geb%C3%A4ude+erst+in+den+Rohbauzustand-4be2b1430b565300ae02.shtml

    nachzulesen ist.

  8. Gravatar Icon Rob

    Leider ist das Thema einer Stadtgalerie in Siegburg gegessen! Die Lobby der Siegburger Haus- und Grundbesitzer hat gesiegt und die bislang unschlüssigen Wähler auf Ihre Seite gezogen! Ein Stück sinnvoller Stadtreparatur der nicht gerade attraktiven Hofsituation zwischen Nogenter Platz / Allianzplatz bis zur Kaiserstraße, durch ECE oder auch einen anderen Investor, ist somit auf Jahre hinaus gescheitert!
    Trotzdem erstaunlich das hohe Mehrheitsergebnis. Jeden den man so hört schimpft über das klägliche Siegburger Einzelhandelsangebot und wünscht sich eine größere Vielfalt. Diese Leute haben aber scheinbar dann doch für den Erhalt des Rathauses gestimmt. Also fahren die meisten weiterhin nach Köln oder Bonn bzw. in die demnächst neu aufgerüstete “grüne Wiesen” – City, nach St. Augustin oder ins geplante neue Center in Troisdorf (jedoch auch hier regen sich wieder erste Widerstände!). Als hätten die Nachbargemeinden nur drauf gewartet, schlagen diese jetzt zum Nachteil Siegburgs richtig zu!
    Wobei die Vorgehensweise der Stadtverwaltung von Sankt Augustin auch besser bei den Bürgern ankommt. Bislang hört man nur Befürworter für den Zentrumsausbau, auch weil die Stadt Rahmen und Strukturpläne für Ihr gesamtes, wenn auch künstliches Zentrum vorlegen kann, was in Siegburg fehlte bzw. nicht rechtzeitig und in demokratischem Rahmen präsentiert wurde.
    Die Siegburger Entscheidung war keine sachliche sondern eine viel zu stark emotional (auch gegen Bürgermeister und CDU) bezogene Wahlentscheidung. Wäre eine bessere frühzeitige Einbeziehung der Bürger erfolgt, gäbe es jetzt sicherlich grünes Licht für eine Innenstadterweiterung in Form eines Stadtquartiers wie von ECE im Zentrum Siegburgs vorgestellt.

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